Seit rund drei Jahren gibt es die Koordinierungs- und Beratungsstelle Vormundschaft (KBV) im Jugendamt des Landkreises Sonneberg. Aufgabe der KBV ist es, ehrenamtliche Vormünder zu gewinnen, zu beraten, zu schulen und bei verschiedenen Problemen und Fragen zu unterstützen.

Die Vormundschaft für ein Kind wird vom Familiengericht immer dann übertragen, wenn die Eltern die elterliche Sorge für ihre Kinder nicht mehr ausüben können oder dürfen. Dabei kann die Vormundschaft auf Personen, das Jugendamt, einen Vormundschaftsverein oder einen Berufsvormund übertragen werden. In vielen Fällen wird das Jugendamt zum Amtsvormund bestellt. Für einige Kinder und Jugendliche konnten aber auch im Landkreis Sonneberg bereits ehrenamtliche Personen zum Vormund bestellt. So wurde die Vormundschaft aktuell für 18 Kinder und Jugendliche auf 24 ehrenamtliche Personen übertragen.
Dabei hat die ehrenamtliche Vormundschaft oft einen traurigen Hintergrund, da Elternteile verstorben sind und nun Verwandte für das Kind sorgen. Die Verwandten, z.B. Großeltern, Onkel, Tante, Geschwister, unterstützen die Kinder nicht nur dadurch, dass sie sie bei sich aufgenommen haben, sondern sie übernehmen auch die komplette elterliche Sorge. Das heißt, sie kümmern sich um die Kindergarten-, Schul- oder Ausbildungsangelegenheiten, Verwalten das Erbe oder schlagen dieses aus, beantragen Sozialleistungen, Kindergeld, Halb- bzw. Vollwaisenrente, sind für die Gesundheitssorge und viele andere Aufgaben zuständig und vor allem geben sie ihnen Halt, diesen schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten. Dabei haben sie selber einen nahen Verwandten verloren und können diesen eigenen Schmerz meist nur verdrängen, um für die Kinder da zu sein. Es ist für sie selbstverständlich und sie leisten diesen Kraftakt einfach nebenbei, ohne dass dies Beachtung findet. Ihr Einsatz für die Kinder ist daher nicht hoch genug anzuerkennen.
Der Landkreis Sonneberg konnte in den letzten Jahren bereits 15 ehrenamtliche Vormünder gewinnen und sie haben für zehn Mündel aus der Amtsvormundschaft die ehrenamtliche Vormundschaft übernommen. Vor allem Pflegepersonen, die das Kind bereits bei sich aufgenommen und damit ein besonderes Vertrauensverhältnis zum Kind aufgebaut haben, wurden dabei zum Vormund oder Ergänzungspfleger bestellt.
Ganz besonders ist der Einsatz von Personen hervorzuheben, die die Vormundschaft für Minderjährige übernehmen, die sie vorher nicht kannten. Dies sind Mitmenschen, die sich dazu bereit erklären, Verantwortung für dieses Kind zu übernehmen, es in ihrem eigenen Leben zu integrieren und sich dabei über das im Gesetz als notwendig erachtete Maß hinaus zu engagieren und das Kind zu einem Teil ihrer eigenen Familie zu machen. Viele möchten einen intensiven Kontakt zum Mündel aufbauen, um es in seiner Entwicklung optimal unterstützen zu können. Dies muss ein künftiger Vormund nicht leisten und ist auch nicht die Voraussetzung für eine Vormundschaft. Man kann dahingehend selber entscheiden, wie sehr man sich engagieren möchte.
Auf diesem Wege möchte das Jugendamt sich bei allen engagierten ehrenamtlichen Vormündern bedanken und erneut auf das Angebot zur Beratung und Unterstützung hinweisen.
Weitere Alltagshelden gesucht
Der Landkreis ist immer auf der Suche nach weiteren Personen, die sich ehrenamtlich als Vormund engagieren und ein Kind oder einen Jugendlichen auf seinem Lebensweg begleiten und mit Rat und Tat unterstützen möchten. Es ist eine besondere Verantwortung und Bereicherung für die Minderjährigen zugleich. Für diesen Balance-Akt steht die Koordinierungs- und Beratungsstelle Vormundschaft mit Schulungen, Beratungen und Gesprächen gern zur Seite. Auch soll über regelmäßige Treffen die Möglichkeit zum Gespräch mit anderen ehrenamtlichen Vormündern geboten werden.
Ein erster Austausch für ehrenamtliche Vormünder findet bereits am 26. Mai 2026 ab 15:30 Uhr im Thüringer Eltern-Kind-Zentrum „Köppelsdorfer Kinderwelt“ in der Köppelsdorfer Straße 205 in Sonneberg statt. Hierzu lädt das Jugendamt alle Interessierten herzlich ein. Bei dem Zusammentreffen kann man ungezwungen mit bereits bestellten ehrenamtlichen Vormündern ins Gespräch kommen und sich ein Bild machen, wie eine ehrenamtliche Vormundschaft in der Praxis gelebt wird.
Für Kinder und Jugendliche sind Bezugs- und Vertrauenspersonen, die konstant als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, wichtig. Daher ist auch die ehrenamtliche Vormundschaft vorrangig, damit ein besonderes Vertrauensverhältnis auch über die Volljährigkeit hinaus entstehen kann, was für die Kinder und Jugendlichen ein wichtiger Baustein in ihrer Entwicklung ist. Bei Amts-, Berufs- oder Vereinsvormundschaften endet die Vormundschaft automatisch mit der Volljährigkeit. Zudem können aufgrund der Vielzahl an Vormundschaften auf das Mündel angepasste individuelle Lösungen nicht immer umgesetzt werden. Für die Entwicklung der Persönlichkeit ist es daher wichtig, jemanden zu haben, dem sie sich anvertrauen können, sie ernst nimmt und gut erreichbar ist.
Alle Interessierten können sich gerne mit ihren Fragen an die Koordinierungs- und Beratungsstelle Vormundschaft des Landkreises Sonneberg (KBV) wenden. Wir freuen uns über jeden Interessenten. Wer am Treffen am 26. Mai 2026 teilnehmen möchten, wird ebenfalls freundlich um eine Voranmeldung bei der KBV gebeten:
Koordinierungs- und Beratungsstelle Vormundschaft des Landkreises Sonneberg
Ansprechpartnerin: Frau Vogel
Telefon: 03675/871-463
E-Mail: KBV@lkson.de
Mehr unter www.kreis-sonneberg.de/landkreis/jugend/ehrenamtliche-vormuender-gesucht/
