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Zeichen gesetzt gegen Gewalt an Frauen

Mit einer Info-Veranstaltung in der „Wolke 14“ beteiligte sich das örtliche Bündnis gegen häusliche Gewalt am „Orange Day“, dem Aktionstag anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen.

Alljährlich am 25. November begeht man weltweit den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Dieser hat sich in vielen Ländern mittlerweile als „Orange Day“ etabliert und wird mit einer Vielzahl von Aktionen gewürdigt. Seit mehreren Jahren wird auch im Landkreis Sonneberg dieser Anlass genutzt, um die Bevölkerung für das schwerwiegende Problem der Gewalt an Frauen zu sensibilisieren und um Betroffene auf Hilfsangebote aufmerksam zu machen. Federführend ist hierbei im Kreis das Sonneberger Bündnis gegen häusliche Gewalt. 

Um in diesem Jahr aus Anlass des Gedenktags ein Zeichen zu setzen, lud man am 21. November 2022 im Sonneberger Stadtteilzentrum „Wolke 14“ zu einer Informations-Veranstaltung ein. Das gemeinsame Motto lautete „Unterm Rettungsschirm“. Das Bündnis stellte hierbei öffentlichkeitswirksam seine Hilfsangebote vor und unterstützte erneut die bundesweite Aktion des Hilfetelefons gegen Gewalt an Frauen, die unter der Überschrift „Wir brechen das Schweigen“ steht.

Als Ehrengäste konnten die Mitglieder des Bündnisses gegen häusliche Gewalt um die beiden Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises und der Stadt Sonneberg, Ute Hofmann und Martina Leipold, den stellvertretenden Landrat, Jürgen Köpper, und den stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Sonneberg, Christian Dressel, begrüßen.

62 Fälle im zurückliegenden Jahr im Kreisgebiet

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter: körperliche und seelische Verletzung, sexuelle Belästigung, Vergewaltigung, Beschimpfung, Bedrohung, Demütigung, Quälen, Schläge, Mobbing, Cybermobbing, Stalking, Zwangsverheiratung und vieles mehr. Viele Frauen erleben Gewalt, egal wo sie leben, woher sie kommen, wie alt sie sind oder welchen Bildungsgrad und sozialen Status sie haben.

„Nach Auskunft der Polizeiinspektion Sonneberg wurden 2021 im Landkreis Sonneberg 62 Fälle von häuslicher Gewalt erfasst. Dabei stehen bei den Opfern 44 weibliche 16 männlichen gegenüber. Demnach waren 73 Prozent der Opfer Frauen. Allerdings werden seit der Umstellung der Statistik nur noch Opfer mit einem Alter ab 18 Jahren erfasst. Je nach Einzelfallprüfung werden durch die Polizei gegenüber den Tätern Wohnungsverweisungen, Platz- und Kontaktverbote, Gefährderansprachen oder Gewahrsam- und Festnahmen ausgesprochen“, erläutert die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Sonneberg, Ute Hofmann.

Neben der Polizei ist seit einigen Jahren auch die Beratung für Menschen mit Gewalterfahrung in Trägerschaft des hiesigen Diakoniewerkes eine wichtige Stütze. Hauptziele der Beratung sind, dass sich betroffene Menschen weniger allein gelassen fühlen, lernen selbstwirksam zu handeln und sich eine Perspektive erarbeiten, um ein gewaltfreies Leben zu führen. Im Zuge der letzten Monate nahmen die Anfragen auch von Frauen mit Migrationshintergrund zu. 2022 wurden bereits 17 Frauen beraten und begleitet.

Zum Hintergrund

Im Dezember 1999 verabschiedete die UN-Generalversammlung eine Resolution, nach der der 25. November zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen bestimmt wurde. Alljährlich soll mit diesem Gedenktag, dem „Orange Day“, das öffentliche Interesse auf die Gewalt gegen Frauen gelenkt werden und Strategien zu ihrer Bekämpfung in den Mittelpunkt rücken. Aus diesem Anlass werden auch in diesem Jahr Aktionen durchgeführt die dokumentieren, dass sich Institutionen, Länder, Städte und Gemeinden gegen Gewalt an Frauen positionieren.

Jede vierte Frau in Deutschland ist bereits Opfer von häuslicher Gewalt geworden. Dabei ist das Risiko, durch einen Beziehungspartner Gewalt zu erfahren weitaus höher, als von einem Fremden angegriffen zu werden. Um diesen Frauen zur Seite zu stehen, wurde 2011 das Sonneberger Netzwerk gegen häusliche Gewalt des Landkreises Sonneberg gegründet. Daraus ging 2016 das Sonneberger Bündnis gegen häusliche Gewalt hervor. Die Kooperationspartner aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus setzen sich aktiv für Mitmenschen ein, die von häuslicher Gewalt betroffen oder bedroht sind. Seine Mitglieder stammen aus dem Ehrenamt, aber auch von Behörden, Verbänden, Institutionen und Unternehmen.

Ihm gehören der Landkreis und die Stadt Sonneberg, das Jobcenter, die Polizeiinspektion, die Interventionsstelle, das Diakoniewerk, der Weiße Ring, die AWO, der Kinder- und Jugendschutzdienst „Tauzeit“, der Jugendhilfeverein „Fähre“, pro familia, der Kreissportbund, das Bürgerbüro Wolkenrasen, der Miteinander e.V., die Wohnungsbau Sonneberg GmbH sowie das Projekt A4 für betroffene Männer und das Projekt Orange zur Täterarbeit an. Die Bündnispartner wollen dazu beitragen, die Handlungsabläufe in Fällen häuslicher Gewalt zu optimieren um effektiver helfen zu können. Sie sind für Hilfesuchende erreichbar und wollen Betroffenen in Notsituationen schnellstmöglich helfen. Deshalb muss niemand mit seinen Problemen alleine sein, sondern sollte unbedingt Mut fassen und sich beraten lassen.

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Foto: Stadt Sonneberg, C. Heinkel