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Offener Brief an die Bundesregierung: Unsere Menschen und Unternehmen brauchen umgehend wirkungsvolle Realpolitik

Angesichts der enormen Preissteigerungen und der zunehmenden Sorgen unserer Bevölkerung und unserer Wirtschaft haben die Kreisbeigeordneten Jürgen Köpper und Christian Tanzmeier am 15. September 2022 den nachfolgenden offenen Brief an das Bundeskanzleramt versandt.

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Scholz und sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung,

die Bevölkerung sowie auch die Unternehmen aus Handwerk, Industrie, Handel, Gastgewerbe und Dienstleistung unseres Landkreises Sonneberg stehen aufgrund der explosionsartig gestiegenen Kosten bei der Energie- und Grundversorgung vielfach mit dem Rücken zur Wand. Wir wenden uns an Sie, um Ihnen die gegenwärtige Notlage aus Sicht der Menschen und Unternehmen unseres ländlich geprägten Heimatlandkreises zu schildern. Gleichzeitig fordern wir Sie eindringlich auf, umgehend wirkungsvolle Gegenmaßnahmen zu treffen.

Unser Landkreis Sonneberg weist eine sehr hohe Beschäftigungsquote auf. Überdurchschnittlich viele unserer Bürgerinnen und Bürger gehen mit großem Fleiß und Zuverlässigkeit einer Arbeit nach und zahlen pünktlich ihre Steuern. Von ihrer ehrlichen Arbeit bleibt ihnen jedoch aufgrund der buchstäblich galoppierenden Inflation und der stark steigenden Lebenshaltungskosten immer weniger übrig. Dies wirkt umso schwerer, da bei uns im ländlichen Thüringen die Verdienste auf einem deutlich niedrigeren Niveau sind, als in anderen Regionen. Auch deshalb ist der Grad des Wohlstands ein völlig anderer als in den älteren Bundesländern.

Der überwiegende Teil unserer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist für den Arbeitsweg auf das Auto angewiesen. Der ÖPNV kann im ländlichen Raum naturgemäß nicht so ausgebaut werden wie in Ballungsräumen. Insofern gibt es für unsere Pendlerinnen und Pendler nahezu keine Alternativen zum Auto. Die unanständig hohen Preise für Benzin und Diesel sowie die ebenfalls vervielfachten Kosten für Energie und die weitere Lebenshaltung bringen deshalb sehr viele unserer Bürgerinnen und Bürger in wirtschaftliche Nöte. Monat für Monat bleibt ihnen und ihren Familien immer weniger Geld übrig. Und Viele fragen sich ernsthaft, ob sich ehrliche Arbeit überhaupt noch lohnt. Bei unseren Menschen nehmen die Ängste und Sorgen, aber auch die Wut, spürbar zu. Der starke Rückgang an Wohlstand und Kaufkraft in der Breite führt darüber hinaus zu einem weiteren negativen Dominoeffekt zu Lasten unserer Gesamtwirtschaft.

Auch unsere heimischen Unternehmen aus Handwerk, Industrie, Handel, Gastgewerbe und Dienstleistung haben angesichts der höchst prekären wirtschaftlichen Rahmenbedingungen enorme Existenzängste. Es drohen Insolvenzen in Größenordnung! Dabei ist unsere Wirtschaft das Fundament unseres Zusammenlebens. Unsere Betriebe sichern für viele fleißige Menschen Beschäftigung und Wohlstand. Sie bilden aus und schaffen Perspektiven für unsere jungen Leute.

Bei uns im ländlichen Raum hat vor allem auch das Handwerk noch allerhöchste Bedeutung. Denn in fast allen Lebensbereichen stellt es die Grundversorgung sicher und trägt entscheidend dazu bei, dass man bei uns gut leben kann. Das beginnt bei der Ernährung und der Gastronomie, geht weiter über Bauen und Wohnen und endet bei den körpernahen Dienstleistungen. Auch ist unser Handwerk essenziell für Unternehmen aus anderen Wirtschaftsbereichen, die ohne Zutun unseres Handwerks ebenfalls nicht funktionieren würden.

Unsere Betriebe in Handwerk, Industrie, Handel, Gastgewerbe und Dienstleistung sind Leistungsträger unseres gesellschaftlichen Miteinanders und erbringen für unseren Staat ebenfalls ein erhebliches Steueraufkommen. Sie arbeiten zukunftsorientiert und sind vielfach engagierte Förderer des Allgemeinwohls – vom Sport über Kinder- und Jugendeinrichtungen bis hin zur Kultur.

Mit unseren Unternehmen steht und fällt das gesellschaftliche und ökonomische Miteinander. Das gilt umso mehr im ländlichen Raum, wo die Betriebe unverzichtbare Anker für unsere Menschen sind – von Jung bis Alt. Sie sind eng verwurzelt mit unserer Heimat – unserem Landkreis Sonneberg und seinen Städten und Gemeinden. Hier sind sie Rückgrat des Lebens, und das von Herzen gerne!

Unsere Unternehmen und all ihre Beschäftigten sowie deren Familien leben davon, ihre fachlich anerkannten Leistungen zu bezahlbaren Preisen anbieten zu können. Diese Lebensgrundlage ist zurzeit in allerhöchster Gefahr!

Die Rekordpreise für Strom und Gas sowie für Treib- und Betriebsstoffe, aber auch für Holz oder Baumaterial, zerstören ihre Geschäftsgrundlage! Auch die erheblichen Lieferengpässe, die sich zunehmend verschlechternden Auswirkungen einer mangelhaften Bildungs- und Einwanderungspolitik, die immer höheren gesetzlichen Standards und der unzumutbar ausufernde bürokratische Aufwand bedrohen die wertvolle Arbeit unserer Betriebe.

Das, was unsere Unternehmerinnen und Unternehmer mit ihren Beschäftigten seit 1990 unter großen Anstrengungen und eigenem Risiko aufgebaut haben, droht unter den enormen gegenwärtigen Belastungen zusammenzubrechen.

Wir fordern Sie deshalb auf, jetzt umgehend alles in Ihrer Macht stehende zu tun, um unsere heimische Wirtschaft als Grundpfeiler unseres Landes in dieser existenzbedrohenden Lage wirkungsvoll zu unterstützen!

Vor allem müssen die exorbitanten Energiekosten sofort gesenkt und dauerhaft auf ein vernünftiges – sprich bezahlbares – Maß gedeckelt werden! Großkonzerne und Spekulanten treiben die Preise in die Höhe und dürfen mit ihren Rekordgewinnen für Energie nicht länger von der jetzigen Notlage und zu Lasten aller anderen profitieren!

Die von Ihnen auf den Weg gebrachten Entlastungspakete sind dabei aus unserer Sicht keine echte Hilfe. Sie sind zeitlich begrenzt und bekämpfen nicht die Ursachen der gewaltigen gegenwärtigen Probleme. Zudem kommen die eingesetzten Gelder im Endeffekt von den Steuerzahlern selbst.

Stehen Wirtschaft und Handwerk still, steht Deutschland still! Deshalb fordern wir Sie eindringlich auf, sofort mit beherzter Realpolitik die schwerwiegenden Probleme unseres Landes anzugehen!

Sehr gerne stehen wir Ihnen für persönliche Gespräche bereit, um Ihnen anhand von Beispielen aus unserem Landkreis Sonneberg aufzuzeigen, in welcher Notlage wir uns befinden und welche Maßnahmen aus unserer Sicht dringend notwendig sind. 

 

Mit freundlichen Grüßen
In Vertretung

Jürgen Köpper
Erster Stellvertreter des Landrates des Landkreises Sonneberg 

Christian Tanzmeier
Zweiter Stellvertreter des Landrates des Landkreises Sonneberg

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