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Veranstaltungshinweise des „Netzwerk für Demokratie“
In Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Gymnasium Neuhaus/Rwg., der Staatlichen Regelschule Neuhaus/Rwg. und der Volkshochschule des Landkreises Sonneberg wurden im Rahmen des „Jahres der Demokratie“ folgende Veranstaltungen organisiert:
„Gewendet. Leben vor und nach dem Mauerfall“ Schülerforum und Lesung mit Lutz Rathenow
Mittwoch 21.01.2009, 08:00 Uhr, Staatliches Gymnasium Neuhaus/ Rwg. , Aula
Mittwoch 21.01.2009, 9:45 Uhr, Staatliches Gymnasium Neuhaus/ Rwg. , Aula
Lutz Rathenow: „Etwas wartet darauf, erlöst zu werden. Eine Vergangenheit verschwand in der Gegenwart und kehrt als Bumerang unerwartet zurück. Eine Erinnerung, bestimmte Gesten und Redensarten. Eine plausible Erklärung soll her, die alles erfasst und jeden erreicht. Aber ein Leben lässt sich nicht in Erklärungen auflösen. Es bleibt ein Rest von Gefühlen ... Anteilnahme und Distanz prägen auch die neuen Fotos von Harald Hauswald. Interesse am Alten und Lust auf Neues gleichermaßen. Wer die Gegenwart nicht nur betrachten will, dem helfen die Fotos, sie zu erkennen.“
Fast 20 Jahre nach ihrem Buch „Ost-Berlin“ setzen der aus Sachsen stammende Fotograf Harald Hauswald und der in Thüringen geborene Schriftsteller Lutz Rathenow die Vorwende- mit der Nachwende-Zeit in Kontrast. Dafür durchstreifen sie von Berlin aus, wo sie seit gut 30 Jahren leben, Deutschlands Osten von Hiddensee bis nach Dresden.
Wie viel DDR steckt noch heute in den neuen Bundesländern? Wie viel Vergangenheit tragen wir mit in die Zukunft? Hauswald und Rathenow beschreiben anhand größtenteils noch unveröffentlichter Fotos und Texte aus der Zeit von 1979 bis heute die Vergangenheit und deren Verschwinden. Ihre anhaltende Neugierde ermöglicht überraschende Einblicke in die Gegenwart.
Das Buch „Gewendet. Vor und nach dem Mauerfall: Fotos und Texte aus dem Osten“ von Harald Hauswald und Lutz Rathenow erschien 2006 im Jaron Verlag Berlin.
In Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Sonneberg und der Volkshochschule des Landkreises Sonneberg bieten wir:
„Gelächter, sortiert“ - Lesung mit Lutz Rathenow
Mittwoch, 21.01.2009, um 19:00 Uhr in der Stadtbibliothek Sonneberg
Der Schriftsteller Lutz Rathenow liest aus einem ganz neuen Gedichtband und politischer Prosa. Im Jahr Zwanzig des Mauerfalls, an dem er als DDR-Oppositioneller mitwirkte. Merkwürdige Menschen bevölkern Rathenows Geschichten und Gedichte. Erschreckend normal oder seltsam aufmüpfig. Sie versuchen Nähe zu vermeiden und stolpern über Menschen. In Anspielung auf ein vielfach missbrauchtes Adjektiv könnte man sagen: sie sind berlinesk. Politisches und Privates mischen sich auch in dem Gedichtband, Beziehungsgeschichten gestalten verschiedene Konstellationen über das sanfte Verrücktsein einer Stadt, die sich immer neu erfinden will und deren Akteure in verschiedenen Zeitzonen leben. Lutz Rathenow liest Texte von der Auflösung des Staatswesens und den Echos der DDR bis in die Gegenwart. Seine Bücher „Gewendet“ und „Ostberlin: Leben vor dem Mauerfall“ sind vielschichtige Dokumente aus und über die DDR, auch durch die Fotos des Co-Autors und Fotografen-Freundes Harald Hauswald. Es sind Belege lustvoll gelebten Ost-Identität und Ausdruck oppositionellen Verhaltens gegen den Staat gleichermaßen .Die politische Führung der DDR arbeitete gegen das Buch „Ost-Berlin“. Die intensive Beschäftigung mit dem Resonanzraum Westberlin („der dem eigenen Teil der Stadt zum eigenwilligen Klang verhalf“) und der Mauer im Buch (gerade da, wo sie nicht zu sehen war) machten den Band schon damals zu einem über Ganz-Berlin und Deutschland. In der Gegenwart geriet die Neuausgabe „Ostberlin: Leben vor dem Mauerfall“ (2005) zum erfolgreichsten Buch des Dissidenten, der in einer Lesung eine Kinderbuch-Geschichte („Ein Eisbär aus Apolda“) schon mal mit einer über eine traumatisch erfahrene Zeit als Grenzsoldat mixt. Übrigens ganz in Neuhaus Schierschnitz bei Sonneberg. Besucher kennen Lutz Rathenow vielleicht auch von seinen regelmäßigen Kolumnen im FREIEN WORT. Er liest zum ersten Mal in Sonneberg.
In Zusammenarbeit mit der Staatlichen Regelschule Schalkau, der Staatlichen Grundschule Schalkau und der Volkshochschule des Landkreises Sonneberg bieten wir:
„Ein Eisbär aus Apolda“ - Lesung mit Lutz Rathenow
Donnerstag 22.01.2009, 08:30 Uhr, Staatl. Regelschule Schalkau
Donnerstag 22.01.2009, 10:30 Uhr, Staatl. Grundschule Schalkau
Gibt es neben Knut und Flocke noch andere Eisbären? Zweifelsohne, wie Lutz Rathenow zeigt. In seinem - im wörtlichsten Sinn - wunderbaren Kinderbuch „Ein Eisbär aus Apolda“ begegnet uns darüber hinaus eine ganze Reihe weiteres Getier, Elefanten, „Karloffelkäfer“ oder ein Ameisenbär, der vor seinem eigenen Spiegelbild flüchtet. Was alle Tierfiguren miteinander verbindet, ist die höchst eigenwillige Existenz ihres Daseins, das sich in ebenso kurzweiligen wie skurrilen Geschichten ereignet. Kurzprosa mitunter auch für Erwachsene, dicht und voller Hintergründigkeit. Für Kinder bestens geeignet, um sie an eine Lebensweisheit heranzuführen: Nicht alles ist immer so wie es das zu sein scheint.
Da ist der gelangweilte Mann, der sich einen ihn zuverlässig stechenden Floh zulegt, um schließlich bei einer Schnecke zu landen, die ihn letztlich dazu bringt, selbst in die Welt hinauszugehen. Derweil schickt Rathenow die daheim eingesperrten Sieben Geißlein der Gebrüder Grimm in die Gegenwart antiautoritärer Erziehungsmuster, wo sie als rotzfreche „zickige Ziegen“ agieren. In Abwesenheit ihrer Mutter treiben sie es vor lauter Langeweile auf die Spitze: „Käme endlich mal der Wolf, da wäre was los!“. Als der da ist, fordert eines der Geißlein: „Fletsch mal die Zähne, soll schön gruselig sein!“. Schließlich wollen sie vom Wolf gefressen werden, doch der winkt ab: „Ziegenfleisch eß ich aus der Büchse, schön gekocht.“
Wie es weitergeht, sei hier nicht verraten, nur soviel: Sprachspiel, Sprachwitz und ein hintergründiger Humor ziehen sich durch Rathenows Kurzgeschichten, die gewissermaßen eine modernisierte Form der Fabel-Gattung repräsentieren. Und diese Geschichte erzeugt beides: Hörvergnügen durch derbe Direktheit, die gerade Jungen einer fünften Klasse bei einer Lesung schon einmal Atemprobleme beim Lachen bekommen lässt. Und eine gewisse Distanz ganz ohne pädagogischen Zeigefinger: irgendwo läuft das Anti-autoritäre ins Leere, die absolute Respektlosigkeit tötet dann schon mal aus Versehen.
gez. Gustav Humann
1. Vorsitzender

