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Opfern von Flucht und Vertreibung gedacht

Der Bund der Vertriebenen würdigte am 20. Juni gemeinsam mit Landkreis und Stadt Sonneberg den Weltflüchtlingstag sowie den Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung.

Seit 2001 ist der 20. Juni der Internationale Weltflüchtlingstag, ein von den Vereinten Nationen eingerichteter Aktionstag. Nach langem Ringen wurde im Jahr 2015 in Deutschland zudem der Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung ausgerufen, der gemeinsam mit dem Weltflüchtlingstag alljährlich am 20. Juni stattfindet. Der Kreisverband Sonneberg/Neuhaus des Bundes der Vertriebenen (BdV) lud aus diesem Anlass in Zusammenarbeit mit dem Landkreis und der Stadt Sonneberg am Ehrenmal der evangelischen Stadtkirche „St. Peter“ Sonneberg zu einer örtlichen Gedenkveranstaltung ein.

 

Der BdV-Kreisvorsitzende Günter Zimny konnte bei hochsommerlichen Temperaturen rund 50 Mitglieder des Kreisverbands sowie zahlreiche Ehrengäste begrüßen – darunter die Landtagsabgeordnete Beate Meißner (CDU), den stellvertretenden Sonneberger Bürgermeister Christian Dressel, aus dem Kreistag den Fraktionsvorsitzenden der CDU, Christian Tanzmeier, sowie Superintendent Wolfgang Krauß.

 

Nachdem im vergangenen  Jahr erstmals eine derartige Gedenkveranstaltung in Sonneberg durchgeführt wurde, oblag es heuer dem Personalamtsleiter des Landratsamtes, Gerhard Schramm, im Auftrag der im Urlaub weilenden Landrätin die Festrede zu halten. Er verwies zunächst darauf, dass sich derzeit weltweit über 65 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Hunger befänden, was einem neuen Höchststand entspricht. Umso wichtiger sei es, dass die Weltgemeinschaft noch mehr Hilfe leiste und die Fluchtursachen gemeinsam bekämpfe.

 

Jenseits der aktuellen Flüchtlingssituation wolle man aber auch an das millionenfache Schicksal erinnern, das die Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten im Zuge des von Hitlerdeutschland entfachten Zweiten Weltkriegs erleiden mussten. „Sie haben einen großen Tribut zahlen müssen, den der von deutschem Boden ausgehende Zweite Weltkrieg einforderte. Mehr als 14 Millionen Deutsche waren es, die ihre Heimat verlassen und den größten Teil ihres Eigentums zurücklassen mussten. Etwa vier Millionen kamen in die Sowjetische Besatzungszone und rund 700.000 von ihnen kamen nach Thüringen. Das größte Quarantänelager unserer Region mit einer Aufnahmekapazität von 1.800 Umsiedlern befand sich in Sonneberg im einstigen Bekleidungsamt der Luftwaffe. In den Städten und Dörfern, wo sie nach langer Suche schließlich eine neue Bleibe fanden, mussten sie sich eine neue Existenz aufbauen. Unsere Mitmenschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten haben großes Leid erfahren, das auch 72 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs nicht in Vergessenheit geraten darf“, machte Gerhard Schramm deutlich.

 

Nicht zuletzt dankte er den Mitgliedern des BdV-Kreisverbandes für ihre ehrenamtliche Arbeit `wider das Vergessen` und würdigte, dass selbiges stets vom Gedanken der Aussöhnung und vom Bekenntnis zu einem offenen und friedlichen Europa geprägt sei: „Sehr bemerkenswert finde ich dabei nicht nur ihr aufklärerisches Wirken an unseren Schulen, sondern auch ihren Einsatz für die Flüchtlinge der heutigen Zeit.“

 

Im Anschluss berichtete das langjährige BdV-Mitglied Siegfried Fichtner mit emotionalen Worten über das Schicksal seiner Familie. Nach der Vertreibung aus dem südlichen Riesengebirge im heutigen Tschechien fanden sie in Spechtsbrunn ein neues Zuhause. Ihre Heimat aber mussten sie für immer hinter sich lassen. 

 

Unter musikalischer Begleitung durch die Kreismusikschule folgte eine Kranzniederlegung am Ehrenmal. Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung lud der BdV in die Kammerlichtspiele Sonneberg zur Uraufführung des Zeitzeugenfilms „Schlechte Zeit“. In Zusammenarbeit mit der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen haben der Sonneberger Kreisheimatpfleger Thomas Schwämmlein und der Steinacher Filmemacher Roland Wozniak neun Zeitzeugen interviewt. Daraus ist die Dokumentation „Schlechte Zeit“ entstanden. Die Zeitzeugen berichten teils sehr emotional über ihre Schicksale, jeder mit seiner ganz eigenen unverwechselbaren Geschichte. Mit einer kurzen Einführung ins Thema durch Dr. Uta Bretschneider, Direktorin des Hennebergischen Museums Kloster Veßra, ist der Film ein Zeitdokument für kommende Generationen. Die Filmveranstaltung des BdV wurde in Zusammenarbeit mit der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen sowie mit dem Landkreis und der Stadt Sonneberg ermöglicht.

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